Die Formel 1 und der 11. September

Die Anschläge von 2001 erschütterten die Formel 1

gewaltig

An den 11. September 2001 erinnern sich die Protagonisten im Fahrerlager der Formel 1 noch genau. Die Anschläge auf das World Trade Center liegen mittlerweile zehn Jahre zurück - genau wie der Grand Prix von Italien, der wenige Tage später in Monza abgehalten wurde. Die Rennszene stand damals unter Schock - auch aufgrund anderer Umstände. Monza 2001 war ein eigenartiger Event.

Die Ereignisse in New York standen freilich über allem, doch der tödliche Zwischenfall um einen Streckenposten vom Monza-Event 2000 war vielen Piloten noch immer in bester Erinnerung. Der 33-Jährige Paolo Ghislimberti war beim Rennstart von herumfliegenden Teilen getroffen worden und erlag wenig später seinen Verletzungen. Kurz vor dem Grand Prix 2001 gab es noch einen Unfall. Dieser ereignete sich auf dem Lausitzring, wo die ChampCar-Serie ihr Deutschland-Gastspiel gab. Dabei wurde Alessandro Zanardi, zweimaliger Titelträger der CART-Meisterschaft und ehemaliger Formel-1-Fahrer, in einen fürchterlichen Crash verwickelt, als er aus der Boxengasse herausfuhr und sich erneut ins Rennen einsortieren wollte. Der Italiener drehte sich und es kam zur Tragödie. Alex Tagliani konnte seinem Fahrerkollegen nicht mehr ausweichen und knallte mit seiner Autofront in die Seite des Zanardi-Rennwagens, der beim Aufprall in zwei Teile gerissen wurde. Zanardi verlor bei diesem Unfall beide Beine und eine Menge Blut, sodass die Ärzte tagelang um sein Leben kämpften. Beim Monza-Event der Formel 1 war der Zustand des italienischen Rennfahrers noch immer unklar.

Ein "Überholverbot" lässt sich nicht einrichten

Vielen im Fahrerlager stand aus den genannten Gründen nicht unbedingt der Sinn nach Motorsport. "Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich mich nicht wirklich danach gefühlt habe, hier ein Rennen zu fahren und zu kämpfen. Das war nicht vorhanden", sagt Michael Schumacher (Mercedes). "Wir versuchten, eine Initiative zu ergreifen, weil wir in Monza ja schon einen schweren Unfall hatten." Das Ziel war, in den beiden ersten Schikanen keine Angriffe zu starten, um keine weiteren Crash zu riskieren. "Da waren dann zwei oder drei andere dagegen", meint Schumacher. "Deswegen fand das leider nicht statt. Ich orientierte mich dennoch an meiner eigenen Regel und hielt mich im Rennen zurück. Ich fuhr es einfach nach Hause, um all dies so schnell wie möglich hinter mich zu bringen. Dann konnte ich mich mit der Sache auseinandersetzen", erklärt der Rekordchampion. Der von der Presse oft als "Roboter" bezeichnete Schumacher war sichtlich geschockt von den Ereignissen der vergangenen Tage. Auch Sebastian Vettel (Red Bull), damals noch ein Teenager, zeigt sich im Rückblick betroffen: "So etwas bleibt dir im Gedächtnis haften", sagt Vettel über die Anschläge.

Vettel erinnert sich an die schwarzen Ferrari-Nasen

"Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, was ich an diesem Tag machte - wahrscheinlich wie jeder von uns. Ich wollte Mountainbike fahren und kurz bevor ich ging, sah ich im Fernsehen, wie ein Flugzeug in das World Trade Center crashte. Ich konnte es kaum glauben, musste aber pünktlich sein. Keine Ahnung, wann genau ich vor Ort sein musste, doch ich sollte halt pünktlich sein. Ich ging also und war mit dem Mountainbike unterwegs, weil ich dachte: 'Das stimmt so nicht. Da ist irgendetwas nicht richtig' oder dergleichen. Wenn du 14 Jahre alt bist, denkst du nicht so sehr über solche Dinge nach", erläutert der WM-Spitzenreiter. "Nach zwei Stunden kam ich zurück und sah diese Bilder erneut. Es ist etwas, das wir nie vergessen werden", hält Red-Bull-Pilot Vettel fest. "Ich kann mich auch noch an das Rennen hier in Monza erinnern. Es war in der Woche nach den Anschlägen und die Ferrari hatten schwarze Nasen", meint der Deutsche und merkt an: "Es liegt nun zehn Jahre zurück und ich hoffe, dergleichen ereignet sich nie wieder."

Dieser Aussage kann sich Lewis Hamilton (McLaren) nur anschliessen: "Es war ein unglaublicher Augenblick für alle Menschen."

Das Fahrerlager reagiert geschockt

"Ich kann mich daran erinnern. Ich bin nur ein paar Jahre älter als Sebastian. Ich war zuhause und es war eine sehr dramatische Zeit. Wahrscheinlich handelte es sich um das niederschmetternste Ereignis meines Lebens", sagt der Ex-Champion, dessen Teamkollege Jenson Button (McLaren) ebenfalls mit den Gedanken im Jahr 2001 ist: "Wir alle erinnern uns daran, als wäre es gestern", meint der Brite. "Ich gehe nicht davon aus, dass irgendjemand vergessen kann, was damals vorgefallen ist. Es ist erstaunlich, dass dies nun schon ein Jahrzehnt zurückliegt. Die Details sind uns noch so präsent", gibt Button im Fahrerlager von Monza zu Protokoll. "Es ist eine Zeit der Erinnerung, aber auch eine Zeit, um nach vorne zu schauen. Es war ein wichtiger Augenblick, denke ich." Schumacher bestätigt dies. Der Deutsche blickt zurück, wie er den 11. September 2011 erlebte: "Wir standen fassungslos da und konnten nicht glauben, was wir gehört hatten", meint Schumacher, der zu diesem Zeitpunkt auf einem PR-Termin weilte und nur am Rande von den Ereignissen erfuhr. Erst zuhause sah er die Bilder, "die ich ungläubig zur Kenntnis nahm", wie er heute sagt. "Das Rennen stand ganz im Zeichen dessen."

11.9.2011